Kirche Zwerenberg - eine "Kathedrale" im Nordschwarzwald

Die Zwerenberger Kirche von Süd-Ost

Altarbild in der Zwerenberger Kirche

Die Kirche Zwerenberg befindet sich in einem kleinen Dorf mit ca. 450 Einwohnern. Sie staunen wahrscheinlich über das große Bauwerk, eine Dorfkirche, die 600 Sitzplätze aufweist.

Zwerenberg ist der Mutterort des gleichnamigen Kirchspiels, zu dem außerdem die Ortschaften Aichhalden-Oberweiler, Gaugenwald, Hornberg und Martinsmoos zählen. Die Zwerenberger Kirche ist eine schlichte zweckmäßige Hallenkirche und Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Das Kirchspiel Zwerenberg erfreut sich eines relativ guten Kirchenbesuchs, und in früheren Zeiten hat sich wohl die Kirche sonntags gefüllt.
Im Jahr 1955 wurde die Kirche im Innern grundlegend renoviert und der symmetrisch-klassizistische Stil aufgelockert. Durch den Einzug zweier Wände und die Erhöhung um drei Stufen entstand an der Südseite der Chorraum. Auch strömt jetzt mehr Tageslicht in die Kirche, und gerade die Helligkeit und Weite des Raumes gibt ihr eine freundliche Note.
Das große Bild im Altarraum zieht die Augen jedes Besuchers auf sich. Es wurde 1959 von dem Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler gefertigt und hat einen umfassenden biblischen Inhalt:
Beherrschend ist über dem Altar der Gekreuzigte, der die Arme sieghaft ausbreitet. Die Gotteshand, die von rechts oben erscheint und auf das Kreuz weist, bietet das Opfer des Sohnes der Welt dar, und die Taube des heiligen Geistes bezeugt die göttliche Sendung Christi im Sinne des Wortes: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Engelchöre von beiden Seiten umschweben anbetend die am Kreuz geoffenbarte Gottesliebe. Von unten her erhält das Kreuz Christi Sinn und Deutung für die Geschichte der verlorenen Menschheit. Auf der linken Seite ist Versuchung und Fall und damit der Ursprung von Sünde und Tod dargestellt. Im Gegensatz zum Baum der Erkenntnis mit seiner Unheilsfrucht wird das Kreuz Christi als Baum des Lebens gedeutet, und ein Strom lebendigen Wassers fließt von dort dem heilsdurstigen Menschen entgegen. Auf eine schöne Weise hat der Künstler damit auch den Altar als einen Quellort ewiger Lebenskräfte gekennzeichnet. Der Gemeinde gibt auf der linken Seite des Kreuzes der Täufer Johannes sein hinweisendes Zeugnis. „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“ Dem Beginn der Todesherrschaft gegenüber ist Christus mit der Siegesfahne dargestellt, wie er dem Tod die Macht nimmt. Er richtet seinen Blick und die zum Segen ausgebreiteten Hände zur Kanzel. Somit rücken dem Gottesdienstbesucher der Verkündiger und der sieghaft auferstandene Christus zu einer Einheit zusammen.

Die Ausführungen sind zum Teil entnommen aus dem Buch
„Zwerenberg – 150 Jahre Kirche * 500 Jahre Kirchspiel“,
einer beachtenswerten kirchengeschichtlichen Heimatkunde für die Region Oberes Nagoldtal und Oberer Wald. Dort ist über die Geschichte der Zwerenberger Kirche und das Kirchspiel Zwerenberg mehr zu lesen.
Die kirchengeschichtlichen Teile wurden von Dr. Karl Kempf aus Nagold, verfasst.

Die Zwerenberger Glocken

Im Zwerenberger Kirchturm hängt wohl eines der ältesten Erbstücke, die das Kirchspiel Zwerenberg und die Zwerenberger Bürger besitzen: die große Zwerenberger Glocke, auf den Ton „g“ gestimmt. Seit über 500 Jahren tönt ihr Ruf übers Land. 1994 feierte sie ihr 500-jähriges Jubiläum. Wahrscheinlich ist sie das am längsten in Benutzung befindliche Instrument im Kirchspiel und überhaupt dasjenige; das über viele Generationen hinweg unverändert am Ort geblieben ist. Sie gibt Orientierung im Dorf, verkündet und erinnert an das Lob Gottes inmitten der verrinnenden zeit. Das will auch ihre Inschrift mitteilen. Sie lautet: „Jhesus Nazarenus Rex Judaeorum. Bernhard Lachman gos mich. 1494
Zum Zwerenberger Geläut gehören weitere zwei Glocken aus dem Jahr 1950. Ihre Vorgängerinnen mussten für Kriegszwecke jeweils im ersten und zweiten Weltkrieg eingeschmolzen werden.
Die mittlere Glocke ist auf den Ton „a“ gestimmt und trägt die Inschrift: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.“
Die kleine Glocke ist auf den Ton „cis“ gestimmt und trägt die Inschrift: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre“ „Zum Gedenken 1939 – 1945“.

Blick in den Zwerenberger Glockenturm

Der Zwerenberger Glockenturm.

Rechts die mittlere Glocke
in der Mitte die große Glocke aus dem Jahr 1494
links die kleine Glocke