Kirche Gaugenwald

Gaugenwalder Kirche mit ehemaligem Schulhaus (heute privat) - Bild: Schmidt

Über viele Jahrhunderte ist der Ort in seiner ursprünglichen Anlage weitgehend erhalten geblieben. Er hat dieses alte und typische Bild der Waldhufenorte bewahrt. Im Zentrum neben Rathaus und Schule, die heute im Privatbesitz ist, steht das Kirchlein. Die Gehöfte des Waldhufendorfes liegen in einem breiten Kranz in gemessener Entfernung um ihren Mittelpunkt.
Vom Eigentümer her stellt die Gaugenwalder Kirche eine Besonderheit dar. Die Bürger Gaugenwalds sind Besitzer ihrer Kirche. Es wird vermutet, dass sie eine Eigenleistung der Gaugenwalder Gemeinde bzw. der Hofbauern war.
Die Erbauungszeit ist nicht eindeutig festzulegen. Eine Quelle reicht zurück ins 11. Jahrhundert, eine andere legt sie in die Zeit um 1660.
Das Innere des Kirchleins vermittelt eine anheimelnde Atmosphäre. Es wurde 1960/61 grundlegend renoviert.
Das Kirchlein ist relativ breit und kurz. Die auf einer eichenen Holzsäule stehende Kanzel ist in bäuerlichem Blumenstil des 17. Jahrhunderts bemalt, freigelegt bei der letzten Renovierung. Ein mächtiger Eichenstamm trägt die schlichte Kassettenholzdecke. Freigelegt wurde auch das zugemauerte Rundbogenfenster hinter dem Altar. Es enthält ein Pfingstmotiv von Wolf-Dieter Kohler aus Stuttgart. Bei der Innenrenovierung erhielt die Kirche einen Taufstein aus der Werkstatt von Albert Volz in Altbulach, der auch die Ehrentafel für die Gefallenen der beiden Weltkriege schuf. Für den Altar wurde ein älterer Kruzifix erworben, der etwa um 1740 geschnitzt und bemalt worden sein dürfte. Außerdem war bei dieser Renovierung noch ein neuer Boden aus Sandsteinplatten einzulegen; und schließlich wurde die Kirche mit einem neuen Gestühl, das dem alten nachempfunden ist, versehen.
So fühlt man sich in ihrem Innern wie in einer kleinen, aber festen Burg.

Die Ausführungen sind zum Teil entnommen aus dem Buch
„Zwerenberg – 150 Jahre Kirche * 500 Jahre Kirchspiel“,
einer beachtenswerten kirchengeschichtlichen Heimatkunde für die Region Oberes Nagoldtal und Oberer Wald. Dort ist über die Geschichte der Gaugenwalder Kirche und das Kirchspiel Zwerenberg mehr zu lesen.
Die kirchengeschichtlichen Teile wurden von Dr. Karl Kempf aus Nagold, verfasst.

Das Gaugenwalder Glöcklein

Auf dem steilen Satteldach der Gaugenwalder Kirche „thront“ ein kleiner Dachreiter. In ihm hängt das Gaugenwalder Glöckle. Es ist auf den Ton „h“ gestimmt und stammt, wenn der Deutsche Glockenatlas recht hat aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Es trägt die Schulerinschrift: * SANCTVS . LVCAS S‘ . MARCVS . S‘ MATHEVS . S‘ .JOHS“ also die Namen der vier Evangelisten. Mit 48 cm Durchmesser und einer Höhe von 41 cm ist sie die kleinste Glocke im Kirchspiel.

Das Gaugenwalder Glöckle ist das kleinste im Kirchspiel.
Wussten Sie, dass das Gaugenwalder Glöckle schon immer zur Gleichbehandlung seiner Bürger beigetragen hat?
Wir kennen die Redewendung: „Etwas an die große Glocke hängen!“ Unsere Vorfahren konnten ihre Botschaften, z. B. die Geburt eines Kindes, durch Läuten lassen einer Glocke weitergeben. Dieser Dienst musste bezahlt werden. Reiche konnten sich das „Ausläuten“ mit einer großen Glocke leisten – also „an die große Glocke hängen“. Die große Glocke konnte in einem weiteren Umkreis gehört werden. Mag sein, dass Gaugenwald schon deshalb so ein friedliches Dörfchen geblieben ist, weil keiner seiner Bürger mit einer großen Glocke protzen konnte.

Und noch ein Glockengebet für Kinder, das zu einer kleinen Glocke, wie der Gaugenwalder, passt:

„Jetzt hör i a Glöckle,
des läute so net.
Der Tag isch verganga,
jetzt gang i ens Bett.
Im Bett will i beta,
no schlof i glei ei,
der lieb Gott im Himmel
wird doch bei mir sei.“